Hunde mit Handicap

Oft sind es nicht die jungen, gesunden Hunde, für die wir uns besonders einsetzen, sondern ältere, kranke Tiere. Für sie ist es in Spanien oder Italien kaum möglich, ein neues Zuhause zu finden und wenn es noch Jagdhunde sind, ist es unmöglich. „Jagdhunde gehören nicht ins Haus“, das ist weit verbreitet – zum Leidwesen der Hunde. Besonders schlimm wird es, wenn diese Hunde krank werden und nicht mehr zur Jagd taugen. Wenn sie „Glück“ haben, landen sie in einer Perrera oder in einem der besseren Canile, wenn nicht…werden sie ausgesetzt, brutal zu Tode gequält, ertränkt, erschlagen, erschossen…die Liste der Grausamkeiten ist beinahe endlos.

Auf einen Gnadenbrotplatz kann ein älterer Jagdhund kaum hoffen, also versuchen wir, besonders diesen Hunden zu helfen. Neben den schon fast üblichen Beschwerden, die häufig durch jahrelange Ausbeutung und Mangelernährung entstanden sind, finden unsere Tierschutzkollegen aus Italien und Spanien immer wieder Hunde mit Handicap. Oft sind es Hüftschäden, teilweise angeboren, oft sind es schlecht verheilte Knochenbrüche nach Unfällen oder fehlende Gliedmaßen. Wenn die Hunde ausgesetzt wurden, leben sie meist längere Zeit auf der Straße und werden in Streitereien mit Artgenossen verwickelt. Jeder ist auf der Suche nach Nahrung und versucht zu überleben, da gehen auch Hunde nicht zimperlich miteinander um. Leider kommt es in den Perreras und Canile immer wieder zu Beißereien und so mancher Hund wurde dabei schwer verletzt und verstümmelt.

Seltener haben wir Hunde, die ein schweres Augenleiden haben und teilweise oder sogar vollständig erblindet sind. Aber auch das kommt vor und wenn ein solcher Hund seine gewohnte Umgebung verlassen muss und in ein Tierheim gesteckt wird, ist das besonders grausam, denn er hat kaum eine Chance, sich zurecht zu finden. Wird er ausgesetzt und nicht rechtzeitig von Tierschützern gefunden, wird er sterben.

Wir möchten Ihnen auf dieser Seite Hunde vorstellen, die mit einem Handicap leben und sich erstaunlich gut in ihrer neuen Umgebung zurecht finden. Gerade für blinde Hunde ist das eine ganz besondere Leistung, aber die Menschen, die sie aufnehmen, müssen gar nicht so besonders sein. Wenn Sie ein paar grundlegende Dinge beachten, können Sie einem blinden Hund dabei helfen, sich ziemlich schnell in seinem neuen Zuhause zurecht zu finden. Wir möchten Sie ermuntern, sich näher mit dem Thema zu beschäftigen und in Erwägung zu ziehen, auch einem blinden Hund ein Zuhause zu geben.
Hier ein Video mit dem blinden Pointer Dick in der Tierpension in Italien, in der er bis zu seiner Ausreise in seine Pflegestelle nach Deutschland liebevoll versorgt wurde:

Ina Jobst ist Tiertherapeutin und lebt und arbeitet mit blinden Hunden. Sie hat uns freundlicherweise den folgenden Text zur Verfügung gestellt:

Das Leben mit einem blinden Hund ist nicht viel anders als mit einem Sehenden. Sie haben die gleichen Flausen im Kopf und müssen erzogen werden.

Ein erblindender Hund gewöhnt sich schnell an seine neue Situation, er wird sich merken wo in der Wohnung Hindernisse sind, wo Türen und Treppen sind und wo es etwas Leckeres zu Klauen gibt. Wichtig ist dabei, dass die Möbel in der Wohnung nicht mehr umgestellt werden, der Hund muss die Möglichkeit haben den Wegeplan im Zuhause auswendig zu lernen. Auch sollte der Hund nicht herumgetragen werden, denn so kann er nicht spüren, wo die Gegenstände im Haus sich befinden und wo die freien Wege sind.

Ina Jobst

Ina Jobst

Der Geruchs- und Hörsinn eines blinden Hundes prägt sich nach und nach immer stärker aus und ersetzt zum Teil die fehlende Sinneswahrnehmung des Sehens. So kann man markante Stellen wie den Schlafplatz und den Fressplatz mit ätherischen Ölen markieren (kein Zitronenöl, diesen meiden Hunde).

Eine andere Hilfe ist anfangs sich selbst ein Fußkettchen mit einem Glöckchen anzuziehen, so kann der blinde Hund schnell hören, wo wir uns gerade befinden oder ob wir uns auf ihn zubewegen. Hat man noch andere Haustiere kann man auch ihnen ein Glöckchen an das Halsband binden, so kann der blinde Hund sich an dem Hausgenossen orientieren.

Wichtig ist, dass der Hund lernt sich an Geräuschen zu orientieren. Wenn man z.B. um eine Kurve läuft oder die Richtung ändert, klopft man dabei an sein Hosenbein. Oder beim Treppensteigen sollte man mit den Füßen lauter auftreten, so kann sich der blinde Hund leichter auf die Stufen einstellen.

Außerhalb sollte der Besitzer seine Augen offenhalten nach gefährlichen Hindernissen wie Stacheldraht, Glasscherben oder einfach nur eine schrecklich nasse Pfütze. Man muss seinen blinden Hund rechtzeitig warnen und ihm somit Vertrauen geben, dass man ihn immer rechtzeitig warnt. So sind Befehle wie „Achtung“ und „Vorsicht“ sehr wichtig.

Ebenso wichtig ist die Stimmlage mit der der Hund angesprochen wird. Sie darf nicht mitleidvoll klingen. Hunde kennen kein Mitleid in dem Sinne, für sie ist die Aussprache mit einem unsicheren Verhalten verbunden. Er empfindet dies eher als ängstliches Verhalten des Besitzers und das verunsichert den blinden Hund somit. Im Gegenteil, man sollte mit erhöhter spielerisch klingender Stimme den Hund animieren zu einem zu kommen.

Bei Spielsachen kann man darauf achten, dass diese Geräusche abgeben, entweder durch Glöckchen im Inneren oder durch unrunde Formen des Spielzeuges, welches beim Rollen auf dem Boden Geräusche macht, im Gegensatz zu einem lautlos rollenden Ball.

Auf meiner Internetseite www.blinde-hunde.de finden Sie noch weitere Informationen rund um den blinden Hund, sowie für blinde Hunde geeignetes Spielzeug.

Ihre Ina Jobst

Ginger noch in Spanien

Ginger noch in Spanien

An dieser Stelle möchten wir Ihnen die Geschichte von Ginger erzählen, einer wunderschönen Setterhündin aus Spanien. Ginger wurde aus einer Perrera gerettet und musste lange in einer Auffangstation ausharren, bis sie in eine Pflegestelle nach Deutschland reisen konnte.

Und dann ging alles sehr schnell, Ginger wurde vermittelt. Wir freuten uns für die hübsche Setterhündin, aber das Glück war leider nur von kurzer Dauer.

Bei Ginger wurde grauer Star diagnostiziert und die Sehkraft verringerte sich auf nur noch 20 %.  Für ihre Besitzer war das ein ausreichender Grund, Ginger abzugeben.

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Ginger in Deutschland

Ihr ehemaliges Pflegefrauchen war sehr betroffen, als sie davon erfuhr und sagte zu, Ginger wieder aufzunehmen. Die Hündin wurde einem Augenspezialisten vorgestellt und zunächst gab es Hoffnung, dass ihre Sehkraft wieder hergestellt werden könnte.

Mit der Option, dass das Auge mit Tropfen versorgt werden sollte, wurde Ginge erneut vermittelt. Wir dachten, dass jetzt alles gut wird für die kleine Maus, aber wir hatten uns getäuscht – Ginger wurde erneut abgegeben. Die Lebensumstände ihrer Familie hatten sich verändert und Ginger passte nicht mehr in ihr Leben. Das klingt hart und das war es auch, besonders für einen kranken Hund wie Ginger.

Aber auch Ginger hatte einen Schutzengel, denn wieder nahm sie ihr ehemaliges Pflegefrauchen auf.

Nach der Augen-OP

Nach der Augen-OP

Leider hatten sich zwischenzeitlich die Beschwerden an Gingers Auge schlimmer, Schmerzen kamen hinzu und so entschloss man sich, das rechte Auge zu entfernen. Traurig, aber notwendig. Die Operation verlief gut und Ginger kommt gut zurecht. 20500911cc[1]

Ihr Pflegefrauchen sagt: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar „ und schildert Ginger als einen kleinen Sonnenschein, der jede Menge Spaß am Leben hat.

Ginger lebt jetzt als Dauerpflegehund bei ihrem Pflegefrauchen und wir möchten ihr nicht mehr zumuten, noch einmal umziehen zu müssen und Gefahr zu laufen, wieder abgelehnt zu werden. Dass das möglich ist, verdanken wir einigen hilfsbereiten Menschen, die eine Patenschaft für Ginger übernommen haben und sie mit regelmäßigen Beträgen unterstützen. Dafür bedanken wir uns im Namen von Ginger und ihrem Pflegefrauchen ganz herzlich. Es freut uns, dass Gingers Schicksal so viele Menschen berührt hat und wir wünschen uns, dass Ginger ein langes und glückliches Hundeleben führen kann. Gingers ganze Geschichte finden Sie hier.IMG_0720_600


Wir hoffen, wir können mit dieser Seite dazu beitragen, dass Hunde nicht wie Ginger erfahren müssen, nicht mehr gewünscht zu sein, weil sie krank werden. Ein Hund der erblindet, braucht gerade in dieser Phase viel Fürsorge und die Sicherheit seiner gewohnten Umgebung. Genau dann braucht er uns am meisten…

Wenn Sie mehr über das Leben mit blinden Hunden erfahren möchten, schauen Sie sich unsere Hunde in der linken Spalte dieser Seite an und nehmen Sie Kontakt zu den genannten Ansprechpartnerinnen auf.


Aktuell bewegt uns besonders das Schicksal von Emilia und Carmelo, die beiden älteren Jagdhunde. Beide leben im Refugium unserer spanischen Tierschutzkollegin Nieves. Emilia erblindet und Carmelo ist ihr ständiger Begleiter der ihr hilft, sich zurecht zu finden.

Die beiden Hunde werden von Nieves und ihrem Team zwar gut betreut, aber das kann die Zuwendung, die die Hunde in einem eigenen Zuhause erfahren würden und derzeit auch ganz nötig brauchen, nicht ersetzen. Nun suchen wir schon seit einiger Zeit einen Päppelplatz für die beiden, bisher leider ohne Erfolg, denn wir möchten sie unbedingt zusammen vermitteln. Es ist so rührend, wie sich Carmelo um Emilia kümmert und es wäre für beide sehr schwer, wenn wir sie trennen müssten.

Deshalb bitten wir auch noch einmal an dieser Stelle dringend um Hilfe für unser trauriges Hundepaar.

Unsere Kontaktdaten und weitere Einzelheiten finden Sie in dem Beitrag in der linken Spalte dieser Seite.