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Erinnerungen an Serafino
Nach dem Tod von unseren beidenMaremmanos Sasso und Luca haben wir es nicht lange ohne Hund ausgehalten. Früher hatten wir gesagt, dass wir ohne Hunde erst mal mit dem Flugzeug verreisen würden. Aber als das Haus und der Garten leer waren, war das Reisen gar nicht mehr wichtig. Wir hatten auf einmal so viel Zeit, die wir gar nicht erfüllend nutzen konnten. Uns hat die ganze Routine mit den Hunden gefehlt. Haus und Garten kamen uns so sinnlos vor. Für was das alles? Die Entscheidung reifte, wieder einen Hund zu nehmen. Aber welchen?
Wir wollten wieder einen Maremmano(mischling) aus dem Tierschutz. Im Internet habe ich mich in Dich verguckt. Nach 6 Jahren im Tierheim solltest Du einen schönen Lebensabend bei uns verbringen dürfen. Aber Stephan und ich hatten auch Ängste. Wie wird das werden mit einem Hund, der so lange im Tierheim war? Ob er wirklich mit anderen Hunden verträglich ist? Ob er lernt alleine zu bleiben, wo er doch wahrscheinlich immer mit anderen Hunden zusammen war? Sollen wir wirklich einen so alten kranken Hund nehmen, wo wir doch erst vor kurzem im Abstand von nur drei Monaten unsere beiden Hunde verloren hatten? Warum sich das antun? Aber Du hast uns nicht mehr losgelassen und wir wollten es wagen.
Serafino Im Februar wurdest Du uns von Claudia gebracht. Heiß ersehnt 3 Wochen nach dem Tod unserer geliebten Hündin Luca bist Du bei uns angekommen. Als Du aus dem Auto raus warst, sind wir erst einmal richtig erschrocken. Du warst so dünn und so wacklig auf den Beinen. 27 kg hast Du auf die Waage gebracht (Sasso wog 45 kg, Luca 39 kg), und das, obwohl Du schon 6 Wochen lang aufgepäppelt worden warst. Wie hast Du vorher ausgesehen? Was haben wir nun da wieder gemacht?
Serafino vorherAber Du warst voller Lebensfreude und so neugierig. Schnurstracks hast Du alles erkundet und … plumps bist als aller erstes in unseren Teich gefallen. Komplett untergetaucht. Das bunte gut sichtbare Brustgeschirr hat Deine „Taufe“ verkürzt. Da konnten wir Dich sofort dran rausziehen. Hund abtrocknen, nix wie rein und fönen. Du hast am ganzen Leib gezittert. Das fängt ja gut an! Den Abend haben wir danach gemeinsam verplaudert. Claudia hat uns alles in Ruhe erklärt und gezeigt. Sie hat die erste Nacht bei uns übernachtet. Am nächsten Tag sind wir noch zusammen spazieren gegangen und dann ist Claudia ganz unauffällig abgereist. Nun warst Du unser Hund! Wir haben die Routine, die Du gewohnt warst, erst mal beibehalten und Du hast Dich erstaunlich schnell eingelebt.
Beim ersten SpaziergangDie erste Zeit kamst Du mir vor wie ein Junghund. Anfangs bist Du jedes Mal durch den ganzen Garten gelaufen und hast jeden Winkel erkundet. Wir sind alle Wege abgegangen, ich habe Dir Umwege um die gefährliche Brücke gezeigt.
Gemeinsame GartenerkundungAlles musste genau untersucht und wenn möglich verkostet werden. Eine offene Schranktür? Krabbel ich doch mal rein und hol mich den Panseneimer raus. Eine Jacke im Flur auf dem Boden? Leg ich mich doch mal drauf und beobachte mein Frauchen über den Spiegel. Ein Karton mit einer Tüte Leckerli drin? Kletter ich mal rein und hol mir die Tüte raus. Ein Arbeitshandschuh im Garten? Ist bestimmt ein Kauspielzeug aus Leder. Ein Gartengerät? Ah, diesmal eine Kaustange aus Holz! Wir haben so manches Mal gelacht.
Wohnungserkundung Sorge hat uns allerdings bereitet, dass Du Verdauungsprobleme hattest und nicht richtig zugenommen hast. Im ersten Urlaub im April wurde es dann ganz schlimm. Durchfall, Blut im Stuhl, keinen Appetit, Apathie.
Krank im UrlaubDeine Medikamente wurden dann umgestellt. Kein Rimadyl mehr. Du bekamst ein Cortisonpräparat und bist förmlich aufgeblüht. Der Durchfall hörte auf, das Lecken der Haut hörte auf und Du nahmst endlich zu. Das ging gut bis Mai. Dann bist Du immer öfter über die hinteren Füße gestolpert und auf den Fußrücken gelaufen. Da die Fußrücken ganz wund wurden, haben wir Dir Pfotenschutzschuhe angezogen. Damit waren die Füße mechanisch gut geschützt und die Füße sind gut verheilt. Ab da musstest Du die Schuhe tragen, aber das hat Dich nicht gestört. Unser Tierarzt gab uns dann ein Kombipräparat (Mischung aus Schmerzmittel und Cortison), damit Du wieder besser laufen konntest. Das ging auch eine Weile gut, aber dann kam wieder das Blut im Stuhl. Also Medikament absetzen, Cortison, nach einer Weile ein anderes Schmerzmittel probieren, da Cortison allein nicht ausreichte, wieder Blut, wieder absetzen…Wir haben alle möglichen Schmerzmedikamente (Ibuprofen, Meloxicam, Phen-Pred, Previcox) durchprobiert, aber Du reagiertest immer schneller darauf mit Blut im Stuhl. Manchmal schon nach einer Tablette. Ignorieren ging auch nicht, da Du dann immer appetitloser, schwächer und kränker wurdest. Wir standen mit dem Rücken zur Wand und konnten nur vorsichtig mit der Cortisonmenge experimentieren, um die Nebenwirkungen zu minimieren. Im Sommerurlaub hast Du schon viel gelegen. Die Hitze konntest Du nicht gut vertragen. Im Herbst fing Dein Geschwür am Auge an weiter zu wachsen. Das Auge ging nicht mehr richtig zu und eiterte. Husten hie und da. Das Fell wurde immer dünner, also Hundemantel gekauft und angezogen. Du hast langsam wieder abgenommen, obwohl Du gefressen hast. Wir haben einen anderen Tierarzt zu Rate gezogen. Erst mal ein Antibiotikum gegen den Husten und einen Schal, was fürs Herz, was für die Durchblutung, nur noch wenig Cortison, Vitamine für die Nerven. Du bist noch mal richtig aufgeblüht, aber leider nur für 4 Wochen.
SchutzkleidungDann kamst Du die 5 Stufen am Eingang nicht mehr hoch, hattest immer weniger Kontrolle über Deinen Stuhlgang. Nach Absprache mit dem Tierarzt also das Cortison wieder langsam hochdosieren…Dann wieder Husten, Antibiotikum, Schnupfen. Und das Aufstehen wurde beständig schlechter trotz der Höchstmenge Cortison. Auch im Stehen sind Dir die Beine immer häufiger weggerutscht. Nun war es Zeit für Anti-Rutsch-Babysöckchen und zusätzliche Teppiche auf dem Dielenboden. Ich habe Dir Intelligenzspielzeug gekauft und gebastelt, damit es Dir nicht so langweilig war. Du hast es geliebt und warst pfiffig. Und Du wolltest immer noch mitgehen zum Spazieren und hattest auch noch guten Appetit. Ab dem 21.12.2007 ging es dann rapide bergab. Man konnte Dich nur noch mit Käsewerfen zu Aufstehversuchen bewegen. Beim Spazieren bist Du tapfer mitgelaufen, aber Du hattest kein Interesse mehr an einer Leckerlisuche, Du wolltest das Leckerli lieber direkt aus der Hand. Du hast zuhause sehr schlecht gefressen, hattest kein Interesse mehr an Deinem geliebten Spielzeug. Du hättest stundenlang in derselben Lage gelegen, wenn man Dir nicht beim Lagewechsel geholfen hätte. Du hast viel gezittert, warst inkontinent und teilnahmslos. Nelly hat sich in den letzten beiden Tagen häufig zu Dir gelegt, obwohl sie sich sonst eher vor Dir in Acht genommen hat. Vielleicht hat sie ja etwas gespürt.
Serafino und Nelly Am 23.12.2007 haben wir uns dann schweren Herzens entschlossen, Dich einschläfern zu lassen. Die Verantwortung, über Leben und Tod zu entscheiden, ist eigentlich zu groß für uns, die wir nicht an das Leben nach dem Tod glauben. Wir können nur hoffen, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Was war Serafino für ein Hund? Er war alt und körperlich sehr krank, aber er war psychisch trotz des langen Tierheimaufenthaltes gesund. Er war vor allem ein souveräner, freundlicher, neugieriger und cleverer Hund. Serafino war eine Führungspersönlichkeit und wäre am liebsten zuhause ein Einzelhund geblieben. Er ging freundlich und unvoreingenommen auf alle Menschen und Hunde zu. Er war sehr anhänglich und verschmust und für jede Leckerei zu haben. Was bleibt nach dieser relativ kurzen gemeinsamen Zeit? Jede Menge Erinnerungen und Erfahrungen. Wir haben es nicht einmal bereut, Serafino zu uns genommen zu haben. Ich habe viel durch ihn gelernt und hoffe, dass ich auch noch eine solche Lebensfreude entwickeln kann, wenn ich mal alt und krank bin. Ich wünsche mir, dass andere Tiere nicht so lange auf ein Leben in Freiheit warten müssen wie Serafino. Ich möchte daher jeden ermutigen, der sich ein Tier anschaffen will, es von einem Tierschutzverein zu adoptieren. Es gibt ja wirklich jede Rasse, jeden Charakter, jedes Geschlecht, jedes Alter und jeden Gesundheitszustand „zur Auswahl“.
Wagen Sie es, es lohnt sich für Tier und Mensch!
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